Domain abgelaufen: Was jetzt passiert und wie du sie rettest

· 5 Min. Lesezeit

Eine abgelaufene Domain ist der teuerste vermeidbare Ausfall, den eine Agentur erleben kann: Website weg, Mail weg, und je nach Endung ist die Domain nach wenigen Tagen in fremden Händen. Die Fristen sind je nach TLD sehr unterschiedlich, und genau das macht den Fall so gefährlich.

Was am Ablauftag passiert

Am Ablauftag wird die Domain nicht sofort gelöscht, aber sie hört auf zu funktionieren. Die meisten Registrare schalten die Nameserver auf eine eigene Parking-Seite um, damit der Inhaber den Ausfall bemerkt. Damit verschwinden alle DNS-Einträge der Zone: Die Website zeigt eine Werbeseite, MX-Records sind weg, eingehende Mails werden beim Absender zurückgewiesen oder hängen tagelang in Warteschlangen.

Bei manchen Registraren läuft die Domain in einer kurzen Kulanzphase zunächst normal weiter, was den Ausfall nur verzögert. Verlassen kann man sich darauf nicht. Wer den Ablauf erst am Montag durch einen Kundenanruf bemerkt, hat oft schon ein Wochenende ohne Mail hinter sich.

Die Phasen bei .com, .net und anderen gTLDs

Für generische Endungen unter ICANN-Regeln gibt es einen typischen Lebenszyklus. Nach dem Ablauf folgt die Auto-Renew Grace Period, in der der Registrar die Domain zum normalen Preis verlängern kann; sie dauert je nach Registrar bis zu 45 Tage, viele Registrare nutzen deutlich weniger. Danach kommt die Redemption Period von 30 Tagen: Die Domain ist gelöscht markiert, kann aber vom bisherigen Inhaber gegen eine Wiederherstellungsgebühr zurückgeholt werden, die typischerweise im Bereich von 80 bis 200 Euro liegt und deutlich über der normalen Jahresgebühr.

Nach der Redemption Period folgt Pending Delete mit fünf Tagen, in denen nichts mehr geht. Anschließend wird die Domain freigegeben und ist in derselben Sekunde Ziel von Drop-Catching-Diensten, die begehrte Namen automatisiert registrieren, um sie zu parken oder teuer weiterzuverkaufen. Eine Domain mit Backlinks und Mailverkehr ist für solche Dienste wertvoll.

  • Auto-Renew Grace: bis zu 45 Tage, Verlängerung zum Normalpreis, Nameserver oft schon umgeschaltet
  • Redemption Period: 30 Tage, Wiederherstellung nur gegen Gebühr über den bisherigen Registrar
  • Pending Delete: 5 Tage, keine Wiederherstellung möglich
  • Freigabe: die Domain kann von jedem registriert werden, Drop-Catcher sind schneller als du

Warum .de anders funktioniert

Die DENIC kennt keine Redemption Period im klassischen Sinn. Eine .de-Domain hat bei der Registry kein Ablaufdatum; der Vertrag läuft zwischen Inhaber und Provider. Kündigt der Provider die Domain, etwa weil die Rechnung nicht bezahlt wurde, kann er sie bei der DENIC löschen lassen, und die Domain ist sehr kurz danach wieder frei registrierbar. Eine Wiederherstellung wie bei .com gibt es nicht.

Alternativ kann der Provider die Domain in das TRANSIT-Verfahren der DENIC geben. Dann verwaltet die DENIC die Domain vorübergehend selbst, kontaktiert den Inhaber und gibt ihm die Möglichkeit, innerhalb einer Frist von etwa vier Wochen einen neuen Provider zu wählen. Reagiert niemand, wird die Domain gelöscht. TRANSIT ist ein Sicherheitsnetz, aber kein Recht, und viele Provider nutzen den direkten Löschweg.

Warum Agenturen davon überrascht werden

Der Ablauf einer Domain ist nie ein technisches Problem, sondern ein organisatorisches. Die typischen Muster sind immer dieselben: Die Domain wurde vor Jahren von einem Mitarbeiter registriert, der nicht mehr im Unternehmen ist, und die Mails des Registrars gehen an sein altes Postfach. Die Kreditkarte für Auto-Renew ist abgelaufen, die Erinnerungsmail landet im Spam. Der Kunde hat den Hoster gewechselt und beide Seiten dachten, der andere kümmert sich um die Domain.

Besonders heikel: Registrare senden ihre Erinnerungen an die Kontaktadresse des Domain-Kontos, und die liegt oft auf genau der Domain, die gerade abläuft. Sobald die Nameserver auf die Parking-Seite zeigen, erreicht dich auch die letzte Mahnung nicht mehr.

Ablaufdatum per RDAP und WHOIS prüfen

RDAP hat WHOIS als Abfrageprotokoll abgelöst und liefert strukturierte JSON-Antworten mit Ablaufdatum, Registrar und Statuscodes. Für gTLDs findest du dort das Feld "expiration" und Status wie clientTransferProhibited. Einige Registries veröffentlichen kein Ablaufdatum, darunter die DENIC für .de; hier hilft nur der Blick in das Kundenkonto beim Provider oder ein Status-Check auf "connect" oder "TRANSIT".

$ curl -s https://rdap.org/domain/example.com | jq '.events, .status'

[
  { "eventAction": "registration", "eventDate": "1995-08-14T04:00:00Z" },
  { "eventAction": "expiration",   "eventDate": "2027-08-13T04:00:00Z" }
]
[ "client delete prohibited", "client transfer prohibited", "client update prohibited" ]

Neben dem Datum sind die Statuscodes wichtig. clientHold oder serverHold bedeutet: Die Domain wird nicht mehr in der Zone der Registry veröffentlicht, DNS ist tot. redemptionPeriod und pendingDelete sind die Phasen aus dem Lebenszyklus oben. Ein plötzlicher Wechsel des Registrars oder das Verschwinden von clientTransferProhibited ist ein Warnsignal für einen Hijacking-Versuch.

Registrar Lock, Auto-Renew und Inventar

Drei Maßnahmen verhindern fast alle Ablauffälle. Erstens: Auto-Renew bei jeder Kundendomain aktivieren und die hinterlegte Zahlungsart einmal im Jahr prüfen. Zweitens: Den Registrar Lock (clientTransferProhibited, clientDeleteProhibited) aktiv lassen, damit die Domain weder versehentlich noch durch einen gestohlenen Login transferiert werden kann. Drittens: Ein Domain-Inventar pro Kunde führen, in dem Registrar, Kontaktadresse, Ablaufdatum, Zahlungsart und Verantwortlicher stehen.

Bei einem Onboarding eines neuen Kunden gehört die Frage "Wo liegen deine Domains und wer bekommt die Rechnungen?" auf die erste Checkliste. Die Antwort ist überraschend oft "keine Ahnung", und dann ist eine RDAP-Abfrage aller Domains der schnellste Weg zur Wahrheit.

  1. Alle Domains des Kunden auflisten, auch Tippfehler-Domains und alte Kampagnendomains.
  2. Für jede Domain Registrar, Ablaufdatum und Statuscodes per RDAP ermitteln.
  3. Kontaktadresse beim Registrar auf eine Adresse setzen, die nicht auf der Domain selbst liegt.
  4. Auto-Renew und Registrar Lock aktivieren, Zahlungsart mit Ablaufdatum notieren.
  5. Ablaufdatum und Statusänderungen automatisch überwachen, mit Vorwarnung 60, 30 und 7 Tage vorher.

Wenn es schon passiert ist

Erster Schritt ist immer der Registrar, nie ein Drittanbieter. In der Grace Period reicht eine normale Verlängerung im Kundenkonto. In der Redemption Period stellst du einen Restore-Antrag und zahlst die Gebühr; die Domain ist danach meist innerhalb weniger Stunden bis Tage wieder aktiv. Bei .de fragst du sofort beim Provider nach, ob die Domain gelöscht oder in TRANSIT gegeben wurde, und handelst innerhalb von Tagen, nicht Wochen.

Ist die Domain bereits frei oder von einem Drop-Catcher registriert, bleibt nur der Rückkauf oder ein Streitverfahren, wenn Markenrechte verletzt werden. Beides ist teuer und langsam. Bis dahin solltest du für die Kundenkommunikation eine Ersatzdomain aufsetzen, damit zumindest Mail wieder funktioniert.

Häufige Fragen

Kann ich das Ablaufdatum einer .de-Domain per WHOIS sehen?
Nein. Die DENIC veröffentlicht kein Ablaufdatum, weil der Vertrag zwischen Inhaber und Provider läuft. Das Datum steht nur im Kundenkonto beim Provider. Überwache stattdessen den Status der Domain und die Nameserver, damit du eine Umschaltung auf Parking oder TRANSIT sofort bemerkst.
Wie lange bleibt Mail nach dem Ablauf erreichbar?
Solange die Nameserver noch die alte Zone ausliefern. Sobald der Registrar auf Parking umschaltet, verschwinden die MX-Records. Absender versuchen es dann je nach Konfiguration ein bis fünf Tage weiter, danach kommen Unzustellbarkeitsmeldungen.
Reicht eine Erinnerung im Kalender?
Sie hilft, wenn das Datum stimmt und die richtige Person sie sieht. Bei Dutzenden Kundendomains mit unterschiedlichen Registraren ist eine automatische Überwachung von Ablaufdatum, Statuscodes und Nameservern zuverlässiger als ein Kalender, den niemand pflegt.
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